Die Autobahn-Kreuzungsstelle Hamburg-Ost
– eine Kurzgeschichte mit Bildern

Am 5. September 1978 war es soweit: Mit der unspektakulären Freigabe des ersten westdeutschen Abschnitts der Autobahn Berlin - Hamburg (rd. fünf Kilometer bis zu der provisorischen AS Stemwarde) in schwieriger Autobahnneubauzeit war die gesamte Kreuzungsstelle Hamburg-Ost („KS HH- Ost“) erstmals voll unter Verkehr – und damit ihrer vorgesehenen Bestimmung übergeben, nämlich die  Strecken „Hamburg - Lübeck“,  „Berliner Ring - Hamburg“ (Gesamteröffnung 1982) und die „Hamburger Südost-Umfahrung“ (Teilstück des projektiert gebliebenen „Hamburger Ring“) miteinander zu verknüpfen.

A 1  A 24  Autobahnkreuz Hamburg-Ost

Weitere Informationen:

Vergleiche auch:

Abb01
Abb02
Abb03
Abb05
Abb07
Abb09
Abb10
Abb11
Abb12
Abb13
Abb14
Abb15

Einige Stationen der Entstehung der KS HH-Ost und der jüngeren (Um-) Baugeschichte soll die folgende Zusammenstellung wiedergeben.

1934, Jan.

Mitte des Monats beginnen in Wandsbek/Hamburg und in Hamberge/Lübeck die vorbereitenden Arbeiten für den “Ersten Spatenstich” der RAB Hamburg – Lübeck im Rahmen des Aufrufs zur “Arbeitsschlacht 1934” am 21. März.   

1934, Sept.

Im Zuge des Baus der Strecke Hamburg – Lübeck beginnen auch die Arbeiten zur Anlage der KS HH-Ost, gelegen im Süden der Gemarkung Barsbüttel. Im “Hamburger Tageblatt” vom 16.10.1934 liest man “[...] Aus drei Richtungen treffen hier die Bahnen zusammen, aus Hamburg, aus Lübeck und aus Berlin. Viel Überlegung hat es gekostet, ehe man die konstruktiven Einzelheiten dieses gewaltigen “Gleisdreiecks” festgelegt hatte. Galt es doch nicht mehr und nicht weniger, als die beiden Fahrbahnen der drei dort zusammenstoßenden Autobahnen  o h n e  K r e u z u n g  ineinanderlaufen zu lassen. [...] Es ist nun klar, daß hier bei Barsbüttel mächtige breite Anlaufdämme nötig sind, um die Bahnen ohne große Steigung übereinander wegzuführen bzw. auf das richtige Niveau zu bringen. Der überschüssige Sand sämtlicher Baustellen wird hier auf Feldbahnen zusammengefahren. Überall weisen eingeschlagene Pflöcke den Arbeitern den Weg für ihre Schüttungen. Ein ganz besonderes Problem bilden an dieser Stelle außerdem die schwierigen Untergrundverhältnisse. [...]. "

Von Anfang an war vorgesehen – wie heute weitgehend üblich – die Kreuzungsstelle nach der Linienführung der kreuzenden Hauptstrecken zu ge- stalten, also Kreuzungsbauwerke unter “schleifenden Schnitten” (“Überflieger”) in Kauf zu nehmen. Eckverbindungen zur Abwicklung der schwächeren Verkehrsströme waren zunächst nicht vorgesehen: Ab 1938 wurde stattdessen eine zusätzliche Verknüpfung mit dem projektiertem “Hamburger Ring”, unmittelbar westlich der Kreuzungsstelle, in Aussicht genommen, über die auch der Eckverkehr abgewickelt werden sollte; die Realisierung dieses Projekts wurde jedoch schon bald nach 1945 eingestellt.

Literaturauswahl/Berichte:
F. Zimirski: Gekrümmte Stahlbrücken im Zuge der Reichsautobahn
Hamburg – Lübeck,    in Die Bautechnik Nr. 17/1939
„HaFraBa – Rückblick auf 30 Jahre Autobahnbau“, Bau-Verlag, Bonn 1963
K. Maldfeld: Planung und Bau von Autobahnen in Hamburg,
in Straße und Autobahn Nr. 2/1965
„Autobahnen in Deutschland“, Kirschbaum-Verlag, Bonn 1979
„Transit Berlin - Hamburg“, Hrsg. D. Moldmann, Hamburg 1982
W. Rabenau: Planung und Bau der Autobahn Berlin – Hamburg
in Schleswig-Holstein, in Straße und Autobahn Nr. 2/1983
„Hamburger Abendblatt“, Ausgabe vom 21.05.2001
„Ahrensburger Zeitung“,
Ausgaben vom 15./16.07.2006, 09.08.2006, 18.10.2006, 17.11.2006.

Abb04

1937, April

In der Ausgabe des “Hamburger Fremdenblatt” vom 30.04.1937 ist unter der Überschrift “Auf der Straße des Führers nach Lübeck” zu lesen: “[...] Wir halten an einem wichtigen Bauwerk [...] Es ist das Barsbütteler Dreieck, bei Kilometer sechs bis sieben. Von Hamburg aus gesehen läuft die Fahrbahn von Lübeck her links vorbei, die Bahn von Hamburg nach Lübeck geht über eine Brücke und kreuzt so die Bahn, die von Bremen kommt. Da beide Bahnen an dieser Stelle in der Kurve liegen und außerdem die Lübecker Bahn überhöht ist, entsteht hier ein Bauwerk, das in technischer Hinsicht höchste Anforderungen verlangt. Wegen der ungünstigen Bodenverhältnisse mußten rund 600 Pfähle als Fundament für die Widerlager eingerammt werden. Die Verbindung von Bremen her [Anm.: richtig: von Berlin her] gewinnt beim Barsbütteler Dreieck den Anschluß [...] durch einen Tunnel unter der Fahrbahn Hamburg – Lübeck hindurch. Mit dem Aushub des Bodens – das Bauwerk wird in offener Bauweise errichtet – ist Anfang November vorigen Jahres begonnen worden. Insgesamt wurden 35000 Kubikmeter ausgehoben, die auf anderen Stellen Verwendung gefunden haben. Die Fundamente sind schon fertig. Augenblicklich ist man dabei, die gewaltigen Seitenwände zu betonieren, die später eine meterdicke Decke tragen sollen. Nach Fertigstellung des Tunnels im August dieses Jahres wird dann das Bauwerk mit Erde umkleidet und die Bahn nach Lübeck drübergelegt. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Autobahn nach Lübeck an der Baustelle Barsbüttel nur eingleisig befahren werden können. [...]”.

1937, 13.05.

17 Uhr, wird die RAB  Hamburg – Lübeck für den Allgemeinverkehr eröffnet. Im Bereich der KS HH-Ost (Km 5,5 – Km 7,5) wurde der Betrieb zunächst nur im Gegenverkehr (2+0) auf der RiFa. Lübeck → Hamburg, der nördlichsten Fahrbahn der KS HH-Ost, abgewickelt.

1937, Sept.

beginnen in der Gemarkung Willinghusen die vorbereitenden Arbeiten für den ersten Spatenstich der RAB Berlin – Hamburg, am 21. September – und damit die Arbeiten zur Vollendung des 2. Bauabschnitts der KS HH-Ost (Anbindung der Berliner Strecke).

1937, Nov.

Unter dem Titel “Der Barsbütteler Knoten” berichtet das “Hamburger Fremdenblatt” am 10.11.1937:Eines der interessantesten Bauwerke auf den Reichsautobahnen ist zweifellos der Barsbütteler Knoten [...]. Um hier kreuzungsfreien Verkehr zu schaffen, mußte u. a. auch ein 150 Meter langer Tunnel angelegt werden. Als im Mai dieses Jahres die Reichsautobahn nach Lübeck dem Verkehr übergeben wurde, blieb ein kleines Stück der Strecke bei Barsbüttel in Richtung Lübeck noch gesperrt. Die Wagen mußten auf die nach Hamburg laufende Fahrbahn umgeleitet werden [...]. Aller Voraussicht nach wird der Gegenverkehr schon in diesem Monat aufgehoben [...]. [Zwischenüberschrift:“Brücke und Tunnel”]. Die Brücke [...] stellte eine schwierige Aufgabe dar. Sie liegt in einer flachen Linkskurve, hat Gefälle, außerdem ist die Fahrbahn überhöht und die überquerte Bahn ebenfalls gekrümmt. Dieses Bauwerk ist jetzt fertig. Augenblicklich wird letzte Hand an die Betondecke gelegt, und bald werden wir auf dem Weg nach Lübeck dieses Bauwerk überqueren. [...] Der Autobahntunnel wird innen weiß gestrichen werden, so daß man von einer Beleuchtung auf diesem verhältnismäßig kurzen Stück Abstand nehmen kann.[...].”

Abb06
Abb0302

1939, Okt.

Die Arbeiten am 2. Bauabschnitt der KS (und die Fertigung des ersten Fahr- bahndeckenloses der Strecke Berlin – Hamburg, in den Gemarkungen Wil- linghusen und Stemwarde) werden kriegsbedingt eingestellt. Das Kreuzungs- bauwerk „Tunnel“ ist zu ca. 4/5 fertig: Inneneinrichtungen und Fahrbahndecke wurden nicht mehr gefertigt.

1943 - 1945

Das Kreuzungsbauwerk „Tunnel“ wird als ausgelagerte Fertigungs- und Mon- tagestätte eines Hamburger Rüstungsbetriebs verwendet 

1946 - 1950

Die RiFa. Lübeck zwischen Hamburg-Horn und der AS Stapelfeld einschließlich  der KS HH-Ost dient als Sammel- u. Abstellfläche vorwiegend britischer Militär- fahrzeuge, was erhebliche Fahrbahndeckenschäden zur Folge hat.

1960 (-1963)

Wiederaufnahme der Arbeiten zur Fertigstellung der KS HH-Ost, aber unter anderen Vorzeichen als 1937/39: Nun gilt es, den 3. Bauabschnitt vorzuziehen, nämlich die Verknüpfung der  im Bau befindlichen Hamburger Südost- Umfahrung mit der Lübecker  Strecke herzustellen, also die sogenannte Vo- gelfluglinie (Skandinavienverbindung über Fehmarn) an die HaFraBa und an die Hansalinie (Hamburg–Bremen–Dortmund) anzuschließen. Infolge des damit verbundenen Ausbaus der Fahrbahnen wird das Ostportal des Kreu- zungsbauwerks „Tunnel“ umgestaltet (großzügigerer Einfädelungsbereich und Standstreifen der darüber befindlichen Fahrbahnen).
Mit Weitblick wird aber auch der 1937 begonnene 2. Bauabschnitt der KS HH- Ost vollendet (Herstellung der Betonfahrbahndecken im Tunnel-Bereich bis Kilometer 7,5 der Berliner Strecke, die dann 1978 mit unter Verkehr genommen werden).

1963, 15.05.

Eröffnung der Hamburger Südost-Umfahrung („Südliche Umgehung“) zwischen der KS HH-Ost  und der KS Hamburg-Süd als Vollendungsabschnitt der HaFraBa (Lübeck bis Lörrach).

Abb08

1981, 24.06.

Verkehrsfreigabe der westlichen Eckverbindung zur Schaffung vor allem  hamburgbezogener Verknüpfungen  zwischen der A 1 und der A 24. Die Schaffung auch einer östlichen Eckverbindung, zur Verbesserung des ham- burgabgewandten Verkehrs zwischen der A 1 und der A 24, unterbleibt zu Gunsten des projektierten Ausbaus einer Verbindungsspange einige Kilometer östlich der KS HH-Ost. (Diese Spange zwischen der AS Reinbek
(A 24) und der neuen AS Barsbüttel (A 1 bei ca. Km 9,5) wurde im Oktober 2005 für den Verkehr freigegeben).

1981/1982

Nachdem seit Ende der 1970er Jahre auf den bundesdeutschen Autobahnen eine Häufung von Anprallschäden an (alten) Bauwerken, mit zum Teil schwerwiegenden Folgen, zu beklagen war, werden die vier Pendelstützen  des Kreuzungsbauwerks „Brücke“ mit einen Anprallschutz (Stahlbeton) aus- gestattet.

1993 -1994

Südseitig an die bestehende Rampenstrecke des Kreuzungsbauwerks „Brücke“ (d.i. die RiFa. Hamburg-Horn → Berlin bzw. → Lübeck) erfolgt eine Anschüttung für einen Standstreifen (der bislang noch fehlte) und in diesem Zuge auch die Herstellung eines neuen Kreuzungsbauwerks „Brücke“. Diese Erneuerung wird abgeschlossen im November 1994 mit dem Abbruch des alten Kreuzungsbauwerks.

2001 - 2004

Im Frühjahr 2001 beginnen umfangreiche Arbeiten zur Senkung des Grund- wasserstands und damit zur Trockenlegung der rund 65 bzw. 40 Jahre alten Fahrbahnenunterbauten. Im Bereich des Tunnels stand das Grundwasser zuletzt nur etwa 0,5 m unter dem Fahrbahnniveau an, infolge der altersbedingt nicht mehr voll funktionstüchtigen  Drainage.

In den Jahren 2002 bis 2004 werden sämtliche Fahrbahnen und Standstreifen, die alle in Betonbauweise hergestellt waren, überwiegend mit Asphaltteppich versehen,  zum Teil auch grunderneuert. Vollsperrungen und längere bauseitige Wartephasen (z. B. Betonhärtung) konnten somit vermieden werden.

  2006

Vom 21. Juli bis Anfang November ist die RiFa. Hamburg der A 24 zwischen der AS Reinbek und der KS HH-Ost gesperrt wegen der notwendigen Grund- erneuerung der Fahrbahndecken (29 bzw. 43 Jahre alt) einschließlich der Sa- nierung des Kreuzungsbauwerks „Tunnel“ (Erneuerung des Entwässerungs- systems, Entkleidung der Tunnel-Innenwände und deren Brandschutzanstrich).
Das dabei wieder freigelegte Profil der Tunnel-Innenwände – mit den charak- teristischen beidseitigen Wand-Einbauchungen und des darunter waagerecht durchlaufenden Aussparungsspalts (Kabelkanal?) – gibt Grund zu der An- nahme, dass doch bereits bauseitig (1936/37) eine seitliche Innenbeleuchtung zumindest eingeplant gewesen sein könnte.

Matthias Wind, Barsbüttel
Stand: Dezember 2007

A 24 Grundhafte Erneuerung                                                                                     

http://www.autobahn-online.de/a1.html                                                                    

 

http://www.autobahn-online.de/a24.html                                                                 

Ebenfalls 1981 wird im Zusammenhang mit dem 6-streifigen Ausbau der A 1 nördlich der KS HH-Ost der Einfädelungsbereich der A 24 in die A 1 Richtung Lübeck nochmals ausgebaut. Dadurch  wird nach der ersten Verbreiterung in den Jahren 1960/62 eine erneute Veränderung des Ostportals des  Kreu- zungsbauwerks „Tunnel“ erforderlich..

Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte o9
Geschichte der deutschen Autobahnen_2016
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