Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte e.V.

Asphalt, Beton & Stein | Autobahnen & Fernstraßen

Strecke 54: Berlin - Stettin [Betriebsstrecke 4a]1

Strecke 54

Eine der ältesten deutschen Autobahnen ist die frühere Strecke 54, die heutige BAB 11, vom Berliner Ring bis Bundesgrenze bei Stettin. Die Strecke führt in weiten Teilen durch landschaftlich reizvolle und von den Berlinern gerne zur Naherholung genutzte Gebiete.

Der in der Grafik eingezeichnete Streckenteil von der Strecke 54 zur gezeichneten "Nordspitze" des Berliner Rings sollte ungefähr bei der Ortschaft Lanke abzweigen, den Berliner Ring kreuzen und seine Verlängerung im Stutzen finden, der in den Berliner Stadtbezirk Pankow geführt hätte. Ebensowenig wie der West- und der Nordring wurde auch dieser Streckenteil kriegsbedingt nicht mehr ausgeführt.

s54-1
Die Torbrücke über die Strecke 54,
kurz vor dem Berliner Ring
s54-2
Der Abzweig nach Stettin, vom Ostring aus gesehen
s54-3

 

s54-4
Derartige Überführungsbauwerke über RABen gab es ausschließlich über die Strecke 54

 

s54-5 s54-6
Geradezu idyllische Anschlussstellen kennzeichnen die Strecke 54 [BAB 11]

 

s54-7

s54-8

s54-9

s54-10

Die ersten Arbeiten begannen Mitte der 1930er Jahre bei Finowfurt. Der frühe Baubeginn sollte in einer selbst heute noch strukturschwachen Region nicht nur Arbeitsplätze für Arbeitslose aus Berlin und Stettin beim Autobahnbau sowie bei den Zulieferern schaffen, sondern auch den „wirtschaftlichen Aufschwung“ des Dritten Reiches propagieren.

s54-11 s54-12
s54-13 s54-14

Erstaunlich waren damals die Planungs- und Bauzeiten. Im April 1935 erhielt die Oberste Bauleitung der Reichsautobahnen (OBR) in Berlin den Auftrag zur Planung und zum Bau des Stettiner Abzweigs (heute AD Schwanebeck) und der ersten 4 Kilometer Strecke einschließlich der Überführung der damaligen Reichsstraße 2. Schon am 6. Juni 1935 wurde mit dem Erdbau und am 12. November 1935 mit der Fahrbahndecke begonnen. Bereits im darauf folgenden Frühjahr konnten die Arbeiten zum Abschluss gebracht werden.

s54-15 s54-16

Der Abschnitt vom Berliner Ring bis Joachimsthal wurde am 4. April 1936 dem Verkehr übergeben. Es folgte am 27. September des gleichen Jahres das nördlich anschließende Teilstück bis Stettin-Süd – heute die erste Anschlussstelle hinter der Bundesgrenze zu Polen.

s54-172 s54-18
s54-19 s54-20

Ein Jahr später wurden auch die Oderbrücken fertig gestellt, so dass die Streckenführung südlich um Stettin und östlich der Stadt bis zur Anschlussstelle Hornskrug/Bäderstraße am 31. Juli 1937 freigegeben werden konnte. Rund 135 Brücken wurden insgesamt errichtet, also eine Brücke auf etwa 1,3 km Strecke

s54-21 s54-22
Typisch für die Strecke sind schmale Parkplätze direkt neben der Fahrbahn

Die Betriebskilometrierung der Strecke 54/ BAB 11 hat sich bis heute nicht geändert. Kilometer Null war und ist am Berliner Ring. Bei Kilometer 109,9 liegt an der heutigen Bundesgrenze zu Polen der Grenzübergang Pomellen.

s54-23 s54-24
s54-25

Schrifttum
Quelle: Hafen, P. "Das Schrifttum über die deutschen Autobahnen",
Ferdinand Dümmlers Verlag, 1956

Kap. 134 13, S. 164
Usinger, C.: Die Abzweigung der Reichsautobahn Berlin-Stettin vom Berliner Ring.
Straße 3 (1936) H. 6, S.179 (1 S., 1 Abb.)
Inhalt: Fertigstellung des Anschlusses (Trompete) an den Berliner Ring und der ersten 4 km in Richtung Stettin in neun Monaten einschließlich der Anschlussstelle Schwanebeck-Lindenberg. Leistungszahlen.

1 Siehe dazu
Nummerierung nach Hauptkostenanschlägen bzw. nach Paul Hafen: "Das Schrifttum über die deutschen Autobahnen"
Siehe auch:
Grundhafte Erneuerung
Abschnitt Kreuz Uckermark - Schmölln
Abschnitt Schmölln - Penkun
Abschnitt Penkun - Landesgrenze zu Polen
Überführung der B2 bei Schwanebeck
Brücke über den „Großschifffahrtsweg Berlin-Stettin“
19. Treffen: In Grünz bei Penkun (M-V)